Wo sind die Unterlagen ???

Zehnköpfige Familie fühlt sich schikaniert
Sozialamt: Keinen Antrag gestellt


 

Ihlienworth (ur). Bianca Meier und ihr Ehemann Bodo haben es nicht leicht. Sie müssen ihre zehnköpfige Familie versorgen, ihre gemeinsamen acht Kinder wollen ernährt und bekleidet sein. Doch als sei das nicht schon schwierig genug, scheint alles schief zu laufen, seit die vielköpfige Familie zu Beginn dieses Jahres nach Ihlienworth umgezogen ist.
Die Familie lebt seit dem Umzug von Oederquart in einem alten Bauernhaus in Dreihausendorf. Als so genannte „kinderreiche" Familie sind die Meiers nach eigenen Angaben vielen Anfeindungen ihrer Umgebung ausgesetzt. Das Misstrauen gegenüber den Zugereisten, die, wenig begütert, alle Kraft aufbringen müssen, um ihre Kinder, zwischen vier Monate und 16 Jahre alt, durchzubringen, das Haus abzuzahlen, sei bei manchen Dorfbewohnern eben groß.

Gerüchte zehren an den Nerven von Bianca Meier

Dass die Kinder nicht mit den neuesten Klamotten herumlaufen und im Haus eben nicht immer alles so picobello aussehen würde wie bei einer „Rama"- Modellfamilie, versteht sich eigentlich von selbst. Doch immer wieder würden hinter vorgehaltener Hand oder auch ganz unverhohlen Verdächtigungen ausgesprochen. Da sei mal von Misshandlung die Rede, dann wieder von Vernachlässigung oder auch Unterernährung der Kinder. Schlimme Gerüchte, die an den Nerven zehren. „Wäre meine Tochter nicht hier beerdigt, wären wir schon längst wieder weggezogen", sagt Bianca Meier resigniert. Die Dreijährige ist, noch in Oederquart, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Mutter kritisiert: Von der Verwaltung vertröstet und hingehalten

Und nun auch noch der Ärger mit dem Sozialamt. Das jüngste Kind, Tochter Antonia, war gerade geboren, da beantragte Bianca Meier nach eigenen Angaben beim Sozialamt der Samtgemeinde Beihilfen für Bekleidung und Heizung. Doch seither sei nichts geschehen. Der Antrag sei weder bewilligt noch abgelehnt worden. Der damalige zuständige Mitarbeiter der Verwaltung ist inzwischen ausgeschieden. Auf Nachfrage bei der inzwischen mit den Sozialangelegenheiten befassten Mitarbeiterin erhielt Bianca Meier die Auskunft, dass weder der Antrag noch die notwendigen Unterlagen zur Bearbeitung ihres Anliegens vorliegen würden.

„Wir werden immer wieder vertröstet, aber es passiert nichts", entrüstet sich die Hausfrau, die „Schlamperei" und „Schikane" dahinter vermutet. Sie habe schließlich sämtliche Dokumente, Verdienstbescheinigungen ihres Mannes und verschiedene andere Unterlagen längst eingereicht. Seitens des Sozialamtes wurde sie gebeten, die erforderlichen Unterlagen erneut einzureichen, aber das sieht sie nicht ein. „Ich kann doch nicht alles noch einmal von vorne anfordern und hinschleppen." Amtsleiterin Irene Lengsfeld weist den Vorwurf zurück, die Bearbeitung des Antrags werde hinausgezögert. Es läge weder ein Versäumnis vor, noch gäbe es sonstige Vorbehalte gegenüber der Familie. Nach ihren Erkenntnissen gebe es den Antrag schlicht und einfach nicht: „Er ist hier nicht gestellt worden." Es sei außerdem höchst unwahrscheinlich, dass Anträge bei der Samtgemeinde verschwinden würden. Bei den Aussagen von Bianca Meier könne es sich demgemäß nur um Behauptungen handeln.

Verwaltung bietet an: Bedürftigkeit überprüfen

Lengsfeld: „Wir haben ihr angeboten, nach Vorlage der erforderlichen Unterlagen, den Antrag neu zu bearbeiten. Das hat sie aber abgelehnt. Außerdem wollten wir uns bezüglich der Verdienstbescheinigung ihres Ehemannes mit ihrem Einverständnis direkt an den Arbeitgeber wenden, doch auch das wollte sie nicht."
Um die Bedürftigkeit der Familie festzustellen, benötige das Sozialamt nun einmal bestimmte Angaben. Solange die nicht eingereicht würden, sei nichts zu machen. Läge alles komplett vor, könne umgehend die Bedürftigkeit ermittelt und gegebenenfalls eine Auszahlung erfolgen - und das „in Windeseile"...


 
Wem gehören eigentlich die Pferde ....?
Nothing more to say.
© by S.Stüve 24.11.01
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