Neues junges Quintett hielt Publikum in Atem
 
Kammermusik-Abend in Ihlienworth
Anspruchsvolle Werke

Das Quintett beeindruckte die Zuhörer mit ihrer Kunst
 

Das Autohaus Köster in Ihlienworth erlebte eine besondere Premiere: Ein namenloses Quintett hielt ein äußerst zahlreiches Publikum gut zwei Stunden lang in Atem.
Vincent Nitsche (Klarinette), Inken Dwars (Cello), Frederik Nitsche (Viola), Burghard Toelke (Violine) und Kirsten Werner (Violine) - sie alle sind Preisträger verschiedener musikalischer Wettbewerbe und überraschten das Publikum mit zwei interessanten Quintetten.
Die Musik von Gordon Jacob ist hierzulande noch relativ unbekannt; deshalb ein Lob vorweg den Interpreten für das Interesse an gerade diesem Komponisten und den Mut, dieses schwierige Werk einzustudieren und zur Aufführung zu bringen.

Bizarre Ton-Gemälde

Das „Quintett für Klarinette und Streichquartett" entstand 1942. Gleich zu Beginn der Komposition wird der Hörer eingesponnen in ein Netzwerk farbiger Harmonien in recht zurückhaltender Dynamik. Diese Ruhe wird unterbrochen durch einen markanten motorischen Rhythmus, zum Teil „chaotischen" Harmonien, eigenwilligen - oft bizarren - Ton-Gemälden; witzig-spritzige Motive tauchen auf. Es gibt immer wieder dynamische Steigerungen bis zum Exzess. Abriss im Pianissimo. Kontrastierend zum Vorherigen folgt ein ruhiger, beruhigender Teil. Die Klarinette spielt in tiefer Tonlage, die Streicher malen dazu ein düsteres-mystisches Bild in „gespenstischen" Harmonien. Die Dunkelheit und die düstere Atmosphäre verweilt noch einen Augenblick. Über ruhigen Streicher klängen deutet die Klarinette lyrische Motive auf, ein ungewohnt harmonischer Teil ist zu hören und ein schönes Wechselspiel, ein Dialog zwischen Klarinette und Streichern.

Solistische Qualitäten

Die solistischen Qualitäten jedes einzelnen Streichers ließen einen Klangkörper entstehen, der je nach musikalischer Situation eine kraftvolle Fülle oder aber grazile Schlankheit auszudrücken vermochte.
Das „Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello B-Dur op 34" von Carl Maria von Weber wird eröffnet durch ein zurückhaltendes, vornehmes Thema der Streicher, in welches die Klarinette unerwartet hinzukommt. Es entwickelt sich ein musikalisches Geschehen zwischen lyrischen, dramatischen und tänzerischen Abläufen.
Häufig kommt es zum Dialog zwischen Klarinette und Cello. Virtuoses Spiel der Klarinette fordern die „begleitenden" Streicher, welche jederzeit ein zuverlässiges und professionelles Ensemble waren, heraus. Augenblickliche Wechsel aus der tiefsten zur höchsten Tonlage beherrschte Vincent Nitsche souverän. Im zweiten Satz wird eine traurige, zugleich schöne weite Landschaft gezeichnet, sehr sensibel und gesanglich dargestellt. Die Klarinette gleitet sanft über den weichen Teppich der Streicher, gelegentlich aufbegehrend.
Der frechste und witzigste Teil der Komposition scheint der dritte Satz zu sein. Starke akzentuierte Synkopen lassen oft Unsicherheit oder Zweifel an der Taktart aufkommen. Der musikalische Charakter wechselt zwischen „bissig" und schön.
Eine Zusammenfassung des Könnens älter Spieler ist im letzten Satz zu hören. In einer Art „Geschwindmarsch" treiben die Streicher die Klarinette mit einem motorischen, punktierten Rhythmus vor sich her. Trotzdem gelingt es der KIarinette, in ein sehr schönes lyrisches Thema auszuweichen, vom Cello unterstützt. Fugenhafte Zwischenspiele „entschärfen" die Motorik. Das Quintett von Weber wird mit einem virtuosen Schluss beendet.

Langer Applaus

Der lange und lautstarke Applaus des begeisterten Publikums war unschwer zu deuten. Das Dankeschön der jungen, engagierten Musiker war ein „Adagio" von H.J. Bährmann, dem Solo- Klarinettisten von C. M. von Weber.

© by Wolfgang Klint & S.Stüve 05.03.02
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