In Ihlienworth sorgt die Natur für Sauberkeit

Sanierungsmaßnahmen der Teichkläranlage erfolgreich abgeschlossen


klaerung
Stabsstellenleiter Joachim Meier, Bauausschussvorsitzender August Meyer, Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer, Bauamtsleiter
Manfred Krüger und Jan Lok von der Samtgemeinde Sietland bei der Bauabnahme der Maßnahmen zur Kläranlagen-Sanierung.

 

Zurück zur Natur. So, oder zumindest fast so, könnte das Motto lauten, unter dem die Samtgemeinde Sietland die Kläranlage Ihlienworth saniert hat. Als erhöhte Konzentrationen des fischgiftigen Nitrits festgestellt wurden, war schnelles Handeln gefragt. Die Samtgemeinde handelte - und beschritt dabei einen innovativen Weg.
Anstatt auf Technik zu setzen, bauen die Sietländer auf Rieselbeete. Klingt ungewöhnlich, hat sich aber als ungemein funktionstüchtig entpuppt. Bei den Beeten handelt es sich um Weidenflächen, deren Bepflanzung das Wasser auf natürliche Weise reinigt. Das ursprüngliche Konzept der 1984 gebauten Kläranlage für die Abwasserentsorgung der Gemeinde Ihlienworth sieht so aus: Die Anlage besteht aus zwei belüfteten sowie zwei unbelüfteten Teichen, die nacheinander von dem Abwasser durchflössen werden. Das Schmutzwasser, dass in die Kläranlage geleitet wird, durchläuft zunächst eine automatische Siebtrommelanlage, die übrigens 2002 erneuert wurde. Dort werden aus dem Abwasser grobe Schmutzstoffe gesiebt. Die Pflanzen in den Teichen sollten ihren Teil dazu beitragen, Schadstoffe aus dem Wasser aufzunehmen.
Das taten sie auch, aber „nicht genug", wie Joachim Meier, Leiter der Stabsstelle Gewässergüte des Landkreises, erklärte. Ein Nachteil der Teichkläranlage sei es, dass sie eben kaum steuerbar sei. Unter dieser Voraussetzung kam es bei bestimmten Temperaturen zu erhöhten Nitritkonzentrationen.
Abhilfe sollte geschaffen werden, und die wurde nach Rücksprache mit der Bezirksregierung von der Samtgemeinde gemeinsam mit Joachim Meier erarbeitet. Keine neue Technik wurde installiert, sondern ein neues Beet. Es war ein Versuch, den es in dieser Form noch nicht gegeben habe, so Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer. „Wir haben gewissermaßen Pionierarbeit geleistet."
Das Besondere an der sanierten Kläranlage ist nämlich, dass die bestehende Anlage lediglich erweitert wurde. Und zwar wurde zwischen die Teiche ein Rieselbeet geschaltet. Auf dessen Fläche wird das Abwasser von der Bepflanzung - vor allem durch Schilf - weiter abgebaut.
Am Tiefpunkt des Beetes ist ein Sickerschacht mit Pumpe angebracht, von wo aus das Wasser in den weiteren Teich gepumpt wird. Angelegt wurde das Beet Ende 2002, inzwischen habe die intensive Beprobung ergeben, dass durch die Anlage „Top-Werte" erzielt werden. Anfang des Jahres ist ein zweites Beet eingerichtet worden, „zur Optimierung", so Meier. Mit der Sanierung der Anlage, die ganz auf die Reinigungsfunktion der Pflanzen setzt, seien „gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen" worden, freute sich Brauer.
Zum einen befinden sich sämtliche Werte des Wasser jetzt im grünen Bereich. Zum anderen wird auch noch kräftig Geld gespart: Die Einrichtung des ersten Beetes schlug mit etwa 17 000 Euro zu Buche, die des zweiten Beetes mit 25 000 Euro. „Das ist nur ein Bruchteil dessen, was wir für eine technische Anlage gezahlt hätten", betonte Brauer. Auch die Kosten für den laufenden Betrieb werden voraussichtlich von jährlichen „14 000 Euro für Abwasserabgaben auf 5000 gesenkt werden können".
Und nicht zuletzt wird auch noch der Umwelt Rechnung getragen. Joachim Meier: „Das Wasser geht sauber in den Boden und zudem ist mit den Beeten noch ein neuer Lebensraum für viele Tierarten geschaffen worden."

© by S.Stüve 15.09.04
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