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Zurück zur Natur. So, oder zumindest fast so, könnte das Motto lauten, unter dem
die Samtgemeinde Sietland die Kläranlage Ihlienworth saniert hat. Als erhöhte
Konzentrationen des fischgiftigen Nitrits festgestellt wurden, war schnelles Handeln
gefragt. Die Samtgemeinde handelte - und beschritt dabei einen innovativen Weg.
Anstatt auf Technik zu setzen, bauen die Sietländer auf Rieselbeete. Klingt ungewöhnlich,
hat sich aber als ungemein funktionstüchtig entpuppt. Bei den Beeten handelt es sich
um Weidenflächen, deren Bepflanzung das Wasser auf natürliche Weise reinigt. Das
ursprüngliche Konzept der 1984 gebauten Kläranlage für die Abwasserentsorgung der
Gemeinde Ihlienworth sieht so aus: Die Anlage besteht aus zwei belüfteten sowie
zwei unbelüfteten Teichen, die nacheinander von dem Abwasser durchflössen werden.
Das Schmutzwasser, dass in die Kläranlage geleitet wird, durchläuft zunächst eine
automatische Siebtrommelanlage, die übrigens 2002 erneuert wurde. Dort werden aus
dem Abwasser grobe Schmutzstoffe gesiebt. Die Pflanzen in den Teichen sollten ihren
Teil dazu beitragen, Schadstoffe aus dem Wasser aufzunehmen.
Das taten sie auch, aber „nicht genug", wie Joachim Meier, Leiter der Stabsstelle
Gewässergüte des Landkreises, erklärte. Ein Nachteil der Teichkläranlage sei es, dass
sie eben kaum steuerbar sei. Unter dieser Voraussetzung kam es bei bestimmten
Temperaturen zu erhöhten Nitritkonzentrationen.
Abhilfe sollte geschaffen werden, und die wurde nach Rücksprache mit der Bezirksregierung
von der Samtgemeinde gemeinsam mit Joachim Meier erarbeitet. Keine neue Technik wurde
installiert, sondern ein neues Beet. Es war ein Versuch, den es in dieser Form noch
nicht gegeben habe, so Samtgemeindebürgermeister Dirk Brauer. „Wir haben gewissermaßen
Pionierarbeit geleistet."
Das Besondere an der sanierten Kläranlage ist nämlich, dass die bestehende Anlage
lediglich erweitert wurde. Und zwar wurde zwischen die Teiche ein Rieselbeet geschaltet.
Auf dessen Fläche wird das Abwasser von der Bepflanzung - vor allem durch Schilf - weiter
abgebaut.
Am Tiefpunkt des Beetes ist ein Sickerschacht mit Pumpe angebracht, von wo aus das Wasser
in den weiteren Teich gepumpt wird. Angelegt wurde das Beet Ende 2002, inzwischen habe
die intensive Beprobung ergeben, dass durch die Anlage „Top-Werte" erzielt werden. Anfang
des Jahres ist ein zweites Beet eingerichtet worden, „zur Optimierung", so Meier. Mit der
Sanierung der Anlage, die ganz auf die Reinigungsfunktion der Pflanzen setzt, seien „gleich
mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen" worden, freute sich Brauer.
Zum einen befinden sich sämtliche Werte des Wasser jetzt im grünen Bereich. Zum anderen wird
auch noch kräftig Geld gespart: Die Einrichtung des ersten Beetes schlug mit etwa 17 000 Euro
zu Buche, die des zweiten Beetes mit 25 000 Euro. „Das ist nur ein Bruchteil dessen, was wir
für eine technische Anlage gezahlt hätten", betonte Brauer. Auch die Kosten für den laufenden
Betrieb werden voraussichtlich von jährlichen „14 000 Euro für Abwasserabgaben auf 5000
gesenkt werden können".
Und nicht zuletzt wird auch noch der Umwelt Rechnung getragen. Joachim Meier: „Das Wasser
geht sauber in den Boden und zudem ist mit den Beeten noch ein neuer Lebensraum für viele
Tierarten geschaffen worden."
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