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In Zeiten knapper kommunaler Kassen ist es für die Gemeinden doppelt
schwer erfolgreich zu wirtschaften. Freie Spitzen sind eigentlich
eher die Ausnahmen. Jetzt, da im Sietland die Gemeinden Überschüsse
vorweisen, werden diese ihnen von der Kommunalaufsicht des Landkreises
wieder streitig gemacht.
Die Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Sietland haben im vergangenen
Jahr gut gewirtschaftet. In Odisheim wurde ein Überschuss von rund
7000 Euro erreicht, in Ihlienworth betrug die freie Spitze rund
12 000 Euro (Bem. kann man da nicht wieder neue
Büromöbel von kaufen? Oder vielleicht neue Bürobedarfsmittel?) und
in Wanna erwirtschaftete die Gemeinde sogar rund 148 000 Euro. Doch
genau deshalb entstehe ein Problem, so Samtgemeindebürgermeister Dirk
Brauer auf der Samtgemeinderatssitzung am Dienstagabend.
Da die Kassen der Samtgemeinde leer sind und das Sietland ein
strukturelles Defizit von rund 1,7 Millionen Euro vorweise, beanstandete
die Kommunalaufsicht des Landkreises den Beschluss des Rates, den Hebesatz
der Samtgemeindeumlage von 54 auf 57 Prozent anzuheben. Es gebe keine
„Genehmigung für die Samtgemeindeumlage", so Brauer, bevor nicht ein
Ausgleich zwischen Defizit und Überschuss geschaffen werde.
Der Hebesatz der Samtgemeindeumlage wurde bisher so bemessen, dass der
finanzstärksten Mitgliedsgemeinde der Haushaltsausgleich ermöglicht wurde.
Die übrigen Mitgliedsgemeinden sollten Zuweisungen zur Abdeckung der
entstehenden Fehlbeträge erhalten. Da eine Abschöpfung von freien
Spitzen bisher nicht vorgesehen gewesen sei, forderte die Kommunalaufsicht
beim internen Finanzausgleich der Samtgemeinde zukünftig eine Abführung
freier Spitzen an die Samtgemeinde zu regeln. Der Vorschlag der
Kommunalaufsicht ist, nach dem Vorbild anderer Samtgemeinden zu
vereinbaren, dass 50 Prozent der freien Spitze an die Samtgemeinde gehen.
Einstimmige Beschlusslage
An diesem Punkt gerate der Samtgemeindebürgermeister in einen Interessenkonflikt.
Schließlich fungiere Brauer in zwei Mitgliedsgemeinden als Gemeindedirektor,
müsse aber gleichzeitig die Finanzen der Samtgemeinde weiter im Blick haben.
Jetzt gehe es darum, „eine gewisse Modifikation zu finden, mit der alle leben
können", so Brauer.
Ratsvorsitzender Hans-Dieter Hoffmeister ist der Meinung, dass eine einstimmige
Beschlusslage bei dieser Vereinbarung wichtig sei. Und die Zeichen stehen gut:
Bereits am Montagabend hatte die Gemeinde Wanna beispielsweise dem Vorschlag
„zähneknirschend" zugestimmt. Auch im Samtgemeinderat wurde bei drei
Stimmenthaltungen einstimmig der Beschluss gefasst, dass ab 2005 die Hälfte
der freien Spitzen in die Kasse der Samtgemeinde fließen. Allerdings unter
der Voraussetzung, dass bei Flurbereinigungen und Straßenausbauten
Ausnahmeregelungen getroffen werden.
Da bereits vor einigen Jahren beschlossen wurde, dass die Mitgliedsgemeinden
bei der Bedarfszuweisung nicht mehr antragsberechtigt sind und die Defizite
deshalb von der Samtgemeinde ausgeglichen werden müssen, folgerte Brauer:
„Wer A sagt, muss auch B sagen."
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