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Der aus Steinau stammende Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Klein
hat scharfe Kritik an der Ferienhausplanung der Samtgemeinde
Sietland geübt. Klein findet es nicht vereinbar, dass Gemeinde
und Samtgemeinde trotz der Überalterung der Bevölkerung, der
kommunalen Finanzen und eines ausgewiesenen 28a-Biotops eine
Ferienhausplanung vorantreiben.
Vor gut einem halben Jahr hat die Samtgemeinde Sietland der
33. Änderung des Flächennutzungsplanes zugestimmt, die Gemeinde
Ihlienworth hat dem Bebauungsplan Nr. 11 „Wassertourismus" ihren
Segen gegeben. Darin ist auch die Ausweisung eines Ferienhausgebietes
vorgesehen. Der Allgemeine Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters
Maik Schwanemann begründete gestern gegenüber unserer Zeitung, dass
das geplante Ferienhausgebiet „wichtig für die dörfliche Entwicklung ist
(genauso wie der Bürobedarf *grinz [Anm. von mir]) und ein Bedarf vorhanden ist". Auf
einer Fläche von gut einem Hektar sind 18 Ferienhäuser geplant.
Die Pläne dazu wurden ausgelegt, die Träger öffentlicher Belange hatten
die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen.
Die Pläne riefen auch den grünen Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Klein
auf den Plan. Für den Steinauer ist nicht ersichtlich, wie sich die
Planungen in ein langfristiges und realistisches Entwicklungskonzept
der Samtgemeinde Sietland und der Gemeinde Ihlienworth einordnen.
Klein: „Die zu erwartenden Veränderungen in der demografischen Entwicklung,
die nach allen Berechnungen insbesondere im Sietland sehr drastisch sein
werden, erfordern die Einordnung künftiger Maßnahmen in ein langfristiges
Entwicklungskonzept, dass die einschlägigen Zukunftsprognosen mit starkem
Bevölkerungsrückgang mit Überalterung der Einwohner, berücksichtigt",
meint Klein. Der Grüne kritisiert auch, dass im Sietland bisher keine
Leitbild-Diskussion stattgefunden habe. Es sei aber absehbar, dass
künftig die Aufrechterhaltung der vorhandenen Siedlungsstruktur und
die Nutzung der geschlossenen Ortslagen mit Auslastung der gegebenen
Infrastruktur Vorrang haben müsse vor einer weiteren Bebauung im
Außenbereich mit zusätzlichen öffentlichen Infrastrukturinvestitionen
wie Straßenbau und Ver- und Entsorgung.
Finanzielle Planungsruinen
Auch um die Finanzen des Sietlands sei es schlecht bestellt, so Klein.
Eine vernünftige Entwicklungsplanung würde so das Risiko „der finanziellen
Planungsruinen reduzieren". Klein: „Schon die Bauleitplanung bindet
umfangreiche Verwaltungsressourcen und erfordert erhebliche finanzielle
Aufwendungen."
Hans-Jürgen Klein setzt noch einen drauf. So wünschenswert die weitere
Entwicklung des Wassertourismus wäre, so zweifelhaft sei der Bedarf für
das Ferienhausgebiet. „Es gibt keinen konkreten Investitionsplan und
keinen Investor", schimpft Klein. Auch die touristische Übernachtungsnachfrage
im Sietland rechtfertige nicht den Aufbau von zusätzlichen Kapazitäten. Auch
die planerische räumliche Einengung der beiden ortsansässigen Gewerbebetriebe
am südlichen Ortsrand von Ihlienworth gibt Klein zu Bedenken.
Bei Kleins Kritik fehlen auch die Umweltauswirkungen nicht. Bei den
überplanten Flächen handele es sich um unbebauten Außenbereich. Die sind
ein Teil einer großen Feuchtgrünlandfläche zwischen den Ortslagen Ihlienworth,
Steinau und Odisheim mit Verbindung zu den geschützten östlich liegen
Moorflächen. Klein fordert deshalb eine transparente Prüfung der
Umweltaspekte und eine „gerichtsfeste" Planung.
Der Grüne gestern gegenüber unserer Zeitung: „Ein Bedarf für ein Projekt
dieser Größe sehe ich nicht."
Bedenken sind überzogen
Schwanemann kann die Kritik von Klein nicht nachvollziehen.
„Die Bedenken sind völlig überzogen." Die Samtgemeinde
stehe in enger Beratung mit dem Landkreis und dort gebe es keine
Umweltbedenken, zumal die Kompensation in unmittelbarer Nähe des
Gebietes stattfinde. Durch den wachsenden Wassertourismus und
Tourismus sei sehr wohl ein Bedarf gegeben, denn die
Übernachtungsmöglichkeiten in den Sommermonaten würden keineswegs
ausreichen, konstatiert Schwanemann.
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