50 Jahre DRK- Ortsverein Ihlienworth

Vor fünfzig Jahren nahm der "Frauenzweigverein vom Roten Kreuz", seit 1948 "Ortsverein des DRK', seine Arbeit nach dem Krieg wieder auf. Am 21. Januar 1946 wurde Marta Hinsch vom Kreisverband des DRK als Vorsitzende berufen. Sie war es, die den Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes mit großem Engagement aufbaute und mit Leben erfüllte.

Im Jahre 1939, vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, zählte Ihlienworth 1679 Einwohner, 1946 stieg die Zahl auf über 3000. Viele Flüchtlinge mußten im Dorf untergebracht werden. Die Not war groß. An Plänen zu helfen, mangelte es nicht. Aber es fehlten die finanziellen Mittel. Aus diesem Grunde entschlossen sich die Mitglieder des neugegründeten Ortsvereins, ein Wohltätigkeitsfest zu veranstalten. Es fand bei großer Beteiligung der Einwohner am 17. Februar 1946 statt. Der Erlös des Festes von 1581 Reichsmark bildete den Grundstock für die Hilfstätigkeit des Vereins. Aber ohne die tatkräftige Mitarbeit der Mitglieder wären die Hilfsaktionen für notleidende Menschen nicht möglich gewesen.

Im Gründungsjahr zählte der Ortsverein bereits 215 Mitglieder. Im Sommer 1946 sammelten die Frauen Babywäsche, Decken sowie Bettwäsche und verarbeiteten in einer Nähstube jedes brauchbare Stück Stoff zu Windeln, Luren und Babywäsche. Eine Sammlung von Lebens- und Genußmitteln ermöglichte es, an 38 Ihlienworther, die sich in britischer oder französischer Gefan genschaft befanden, Weihnachtspäckchen zu schicken und auch den Bewohnern des Kreisaltersheims zu helfen. Man sammelte Möbel und Hausrat für bedürftige Familien. Bei Besuchen in Flüchtlingsfamilien wurde festgestellt, daß viele Kinder im Winter noch ohne Fußbekleidung auf Zementfußböden umherliefen. Gegen Lieferung von zwei Baumstämmen wurden in Buxtehude 205 Paar Holzsandalen angefertigt, die im März 1947 verteilt werden konnten.

Bei der Finanzierung der zahlreichen Hilfsmaßnahmen waren die Einkünfte aus den später folgenden Wohltätigkeitsveranstaltungen von großer Bedeutung. Die Genehmigungen und Vorbereitungen dieser Veranstaltungen sowie die Beschaffung von Tombolagewinnen erforderten großen Einsatz und oft ungewöhnliche Wege. Zur Verbesserung der finanziellen Lage leistete die 1947 erstmals auftretende Theatergruppe einen beachtlichen Beitrag. Das plattdeutsche Singspiel "De Scherenslieper" wurde zu einem unerwarteten Erfolg. Der Erlös aus elf Aufführungen in Ihlienworth, Bülkau, Lamstedt und Otterndorf ermöglichte es dem Ortsverein, der Gemeinde 2000 Reichsmark zur Beschaffung von Torf für bedürftige Familien zur Verfügung zu stellen.

Eine große Hilfe waren in den ersten Jahren nach der Währungsreform 1948 die Spenden aus dem Ausland. Das schwedische und schweizerische Rote Kreuz schickten Bekleidung, Bettwäsche und Schuhe, aus den USA kamen wertvolle Lebensmittelspenden, aus Schweden außerdem eine Hobelbank, Tischlerwerkzeug und eine große Holzspende. Dadurch konnten Kleiderschränke, Küchenschränke und Kleinmöbel für bedürftige Flüchtlingsfamilien hergestellt werden.

Die Betreuung von Heimkehrern aus dem Osten war in dieser Zeit eine wichtige Aufgabe. Junge Mütter wurden mit Babyausstattung versorgt, für bedürftige Schüler erhielten die Schulen Beihilfen zur Anschaffung von Lehrbüchern. Auch die Zustände im Altersheim erforderten weiterhin die Hilfe des Roten Kreuzes.

1948 organisierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Sanitätsgruppe neu. In den fünfziger und sechziger Jahren entwickelte sich die DRK-Arbeit kontinuierlich weiter, die Aufgaben verlagerten sich auf neue Bereiche. Die Gründung des DRK-Blutspendedienstes erforderte jeweils den Einsatz vieler Helfer und Helferinnen. Es wurden Kurse in "Erster Hilfe" organisiert, Mädchen und Frauen zu DRK- Schwesternhelferinnen ausgebildet.

1963 wurden die Aufführungen plattdeutscher Stücke durch die Theatergruppe fester Bestandteil des alljährlich stattfindenden DRK-Balles. Seit diesem Jahr veranstalten Rotes Kreuz und Kirchengemeinde für alle Einwohner über siebzig Jahre eine Adventsfeier. Im selben Jahr wurde der Handarbeitskreis ins Leben gerufen. 1967 eröffnete der Ortsverein zusammen mit der Kirchengemeinde im alten Pfarrhaus die erste Altentagesstätte im Kreis Land Hadeln. 1974 wurde das Jugendrotkreuz gegründet.

Das DRK in Ihlienworth bemüht sich jedes Jahr aufs neue, ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm bereitzuhalten. Die Mitglieder erhalten jeweils im Januar einen Veranstaltungskalender für das laufende Jahr, um sich rechtzeitig für Fahrten, Theaterbesuche und andere Veranstaltungen anmelden zu können.

© by S.Stüve 06.01.02
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