Die Freiwillige Feuerwehr |
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Warum die seit 1846 bestehende
Pflichtfeuerwehr aufgelöst und die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, ist nicht eindeutig zu
belegen. Man kann vermuten, daß die nur aus elf Mitgliedern
bestehende Pflichtfeuerwehr ihren Aufgaben in dem gewünschten
Umfang nicht mehr gerecht werden konnte und eine größere,
wirkungsvollere Einsatzgruppe notwendig erschien. Auch die in der
Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1846 festgelegte Verpflichtung
für alle Bürger des Dorfes, bei Brandeinsätzen aktiv mitzuwirken,
hat sicher die Qualität der Löscharbeiten nicht gesteigert,
fehlten ihnen doch die Übung im richtigen Gebrauch der Geräte
und Erfahrungen bei der Brandbekämpfung. Man kann vermuten, daß
der Einsatz ungeübter Bürger im Ernstfall nicht immer hilfreich
war. Sicher haben bei der Umstellung auch die höheren Lohnkosten
für die Mitglieder der Pflichtfeuerwehr eine Rolle gespielt. Aus
allen vorliegenden Schreiben wird deutlich, daß auch die
Repräsentanten der beiden Kirchspiele Oster- und Wester-Ihlienworth
die Entwicklung in Richtung einer Freiwilligen Feuerwehr
unterstützten. Das Bedürfnis nach Veränderung der Struktur der
Feuerwehr muß allgmein vorhanden gewesen sein.
Am 13. März wurde in der gleichen Zeitung ein Bericht über diese Versammlung und eine Einladung zu einer neuen Versammlung am 15. März veröffentlicht.
Diese zweite Versammlung mit der Wahl des Vorstandes kann als Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Ihlienworth angesehen werden. Das Protokoll dieser Veranstaltung wurde nach dem 2. Weltkrieg im alten Spritzenhaus auf dem Pfarrland gefunden. Die Einflüsse vieler Jahre haben das Papier mit Wasser- und Stockflecken gezeichnet (siehe Innenseite Einband).
Buchstabengetreue Übertragung des Protokolls Von den Anwesenden wurde in Erwägung gezogen, daß die Anschaffung einer eigenen neuen Spritze für die Feuerwehr mehr zu empfehlen sei, als um die Abtretung der Spritze der vorgenannten Kirchspiele an die freiw. Feuerwehr nachzusuchen. Es soll daher behuf Anschaffung einer neuen Spritze bei den verschiedenen Versicherungs-Gesellschaften um Überweisung von Beiträgen zur Anschaffung einer neuen Spritze nachgesucht werden. Es wurde sodann zur Vorstandswahl geschritten stehende Herren und per Acclamation nachstehende Herren in den Vorstand gewählt: Zum ersten Hauptmann Inspector A. Meier, zum Stellvertreter desselben und zweiten Hauptmann Bäckermeister Johann Dohrmann hiers. zum Schriftführer und Kassirer Gastwirth Ernst Arp, hiers. Der Vorstand will um Bewilligung von Beihilfen zur Anschaffung der Spritze nachsuchen und von dem Resultat weitere Mittheilung machen. Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben |
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Am 17. Mai 1894 richtete der Vorstand der Freiwiliigen Feuerwehr folgendes Schreiben an das Kirchspielgericht Wester-Ihlienworth: Auf der Versammlung am 19. Juni 1894 teilte Brandmeister Adolf Meier mit, daß die Versicherungen und das Kirchspiel Steinau auf die Bitte um Gewährung einer Beihilfe zur Anschaffung einer neuen Feuerspritze nicht eingegangen seien. Der anwesende Aktuar Döscher erklärte, daß das Kirchspiel Wester-Ihlienworth beschlossen habe, die Gemeindespritze der Freiwilligen Feuerwehr unter bestimmten Bedingungen zur Benutzung vorläufig zu überlassen, wenn die Vertreter des Kirchspiels OsterIhlienworth zustimmen würden. Der Vorstand wurde beauftragt, die Kirchspielgerichte zu ersuchen, daß diese die Fuhrkosten, die Reinigung der Spritze und die Hälfte der Reparaturkosten tragen möchten. Am 12. Juli 1894 beschlossen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, das Angebot der Kirchspielgerichte unter den gestellten Bedingungen anzunehmen und - wie es im Protokoll weiter heißt - »die Kirchspielgerichte schriftlich zu ersuchen, dem Kommando bis zum 25. dieses Monats den Schlüssel zum Spritzenhaus behändigen zu wollen, von dem Tag an wäre alsdann die Freiwillige Feuerwehr als pflichtig zu betrachten«. Aus dem Protokollauszug wird deutlich, daß sich die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr ab 25. Juli 1894 für die gestellten Aufgaben verantwortlich fühlte. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Pflichtfeuerwehr für die Brandbekämpfung zuständig. Das ergibt sich auch aus einem Schreiben der Kirchspielgerichte Oster- und Wester- Ihlienworth an den Spritzenmeister der bisherigen Feuerwehr Schmiedemeister Tiedemann. Mit diesem Schreiben wird gleichzeitig ohne große Formalitäten die Auflösung dieser Feuerwehr mitgeteilt. Wegen der Bedeutung dieses Schreibens wird es ungekürzt wiedergegeben. »Oster- und Wester-Ihlienworth, den 19. Juli 1894
Eine besonders wichtige Versammlung fand am 27. Juli 1894 in der Gastwirtschaft Kopf statt. Es waren 37 Mitglieder erschienen. Zu Beginn der Tagesordnung erklärten sich alle bereit, als aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten. Es handelte sich um folgende Personen (in der Reihenfolge des Protokolls): Adolf Meier, Johann Dohrmann, Ernst Arp, Lafrenz Reisen, Klaus Woltmann, Hinrich Pape, Johann Tiedemann, Christian Hinsch, Heinrich Kopf, August Drewes, Mathias Mangels, Nicolaus Kopf, Wilhelm Kopf (Mislag), Wilhelm Kopf (O-Ihl.), Wilhelm Ufferhusloh, Nicolaus Oelerich, Andreas Karsten, Otto Glade, Rudolf Latz, Georg Woltmann, Wilhelm Reinecke, August Kopf, Wilhelm Wierk, Georg Baxmann, Peter Karsten, Johannes Steffens, August Schwanemann, Christian Pieper, Johann Steinfeld, Peter Winkelmann, Heinrich Winkelmann, Wilhelm Steen, August Hinke, Adolf Lilienthal, W. Helfst, Heinrich Neinsohn, Claus Köhler. Ohne Einwände genehmigten die anwesenden Mitglieder die vorgelegten Statuten und die Dienstordnung. Während der Versammlung wurde die Anschaffung folgender Ausrüstungsstücke beschlossen: 40 Helme zum Preise von 5 Mark pro Stück, 40 Gurte für 1 Mark pro Stück, 40 Helmschilder für 0,60 Mark pro Stück, Signalhörner für die Hornisten und Stoff für die Joppen. »Die Fertigstellung derselben wurde dem Kameraden Ufferhusloh übertragen, und zwar pro Stück für 2,50 Mark incl. aller Zutaten.« Am 22. Oktober übergab der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr den Kirchspielgerichten den Entwurf der Statuten mit der Bitte um Genehmigung. Außerdem bat der Vorstand, Adolf Meier als gewählten Vorsitzenden zu bestätigen. In einem Schreiben vom 19. November 1894 genehmigten Christian Hottendorf und Heinrich Rüther als Vorsitzende der Kirchspielgerichte die Statuten und die Wahl des Feuerwehrhauptmanns. Mit dieser Zustimmung der Kirchspielgerichte war endgültig die rechtliche Grundlage für die Freiwillige Feuerwehr Ihlienworth geschaffen. Mit den Gerätschaften, die die Freiwillige Feuerwehr anfangs zur Verfügung hatte, kann es nicht zum besten gestanden haben. Das wird aus einem Gesuch des Vorstandes vom 30. August 1895 an die »wohllöblichen Kirchspielgerichte, betreffend Aenderung der Gemeinde-Feuerspritze« deutlich. Darin heißt es: »Nachdem die Wehr zweimal mit der Feuerspritze ausgerückt gewesen, hat sie gefunden, das die Spritze bei schlechten Wegeverhältnissen (trotzdem die Achsen in sauberem Zustande und gut geschmiert waren), so schwer geht, das sie garnicht gut anders als mit vier Pferden zu transportieren ist, und auch dann noch ein schnelles Fahren nicht zu ermöglichen, da der Langwagen zu lang und die Maschine zu weit nach hinten überhängt, und somit das Gewicht zu sehr auf der hintersten Achse hängt. Da es nun bei einer Alarmierung der Feuerwehr hauptsächlich an Pferden mangelt, so wäre eine Umänderung der Spritze wohl sehr nothwendig, denn nach Aussage des Schmiedemeister Karsten und Stellmachermeister Helfst hierselbst ist eine solche sehr gut möglich und mit nicht allzuhohen Kosten verbunden, und könnte dann gleichfalls der sehr große Uebelstand des Abprotzens zum Gebrauch beseitigt, und die Maschine nur ausgefahren und in Tätigkeit gesetzt werden, weshalb der Vorstand der freiwilligen Feuerwehr, die wohllöblichen Kirchspielgerichte hiermit ebenso höflichst wie dringend um eine Aenderung der Feuerspritze bitten möchte. Endlich ersuchen wir noch um gefällige Auskunft, ob nicht ein jeder Besitzer von Pferden zu verpflichten ist, im Falle von Feuergefahr, seine oder sein Pferd vor der Spritze zu spannen.« Die Kirchspielgerichte genehmigten den Umbau unter der Bedingung, daß die Reparaturkosten von 150 Mark nicht überschritten werden. Ein interessanter Briefwechsel zwischen dem Kirchspielgericht Wester-Ihlienworth und dem Kommando der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Jahr 1896 konnte im Kreisarchiv gefunden werden. Die Feuerwehr hatte eine Rechnung über einen Transport der Feuerspritze eingereicht. Das Kirchspielgericht schickte die Rechnung mit der Begründung zurück, die für jedes Pferd berechneten 9 Mark seien zu hoch. Nach der Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1846 (50 Jahre zurück!) dürften für jedes Pferd nur 3 Mark berechnet werden. In dem Antwortschreiben ist zu lesen: »In Ansehung des Umstandes aber, daß die Fortschaffung der Spritze zu dem Schumacherfeuer unter erschwerten Verhältnissen stattgefunden hatte, haben die Repräsentanten für dieses Mal den Satz von 6 Mark pro Pferd bewilligt.« Sorge bereitete der Feuerwehr die Tatsache, daß für ihre Mitglieder keine finanzielle Absicherung gegen Unfälle bei Brandeinsätzen bestand. Aus diesem Grunde richtete der Vorstand am 31. Oktober das folgende Schreiben an die Kirchspielgerichte. Im Oktober 1902 gab es einen Wechsel in der Leitung der Feuerwehr. »Wegzugshalber« hatte »der erste Hauptmann der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, Herr Adolf Meier, sein Amt niedergelegt« (Anzeige an die Kirchspielgerichte vom 2. Oktober 1902). Sein Nachfolger wurde Johann Dohrmann. Acht Jahre übte er diese Funktion aus. 1910 zog er aus Ihlienworth weg. In einer Versammlung am 29. September 1910 wählten die Mitglieder den Kaufmann Georg Woltmann zum ersten Hauptmann. |
| Die fünf Hornisten, die um 1900 den Feueralarm bliesen; von links: Gastwirt Peter Wilhelm Rüsch, Tischlermeister, Claus Köhler, Gastwirt Ernst Arp, Malermeister Johann Steffens, Schneidermeister Wilhelm Ufferhusloh |
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Freiwillige Feuerwehr (um 1903) unten stehend, von links: Johann Dohrmann, Ernst Matthias Arp, H. Ahlf Hermann Frisch, Nicolaus Oelerich, Andreas Karsten, Claus Jungclaus, Heinrich Kopf, Georg Woltmann erhöht in der Mitte stehend: Peter Wilhelm Rüsch, Claus Köhler, Johann Steffen, Wilhelm Ufferhusloh obere Reihe: Julius Hinke, Willy Frey, Wilhelm Meyer, Wilhelm Reineke, Johann Segelke, Heinrich Matthias Kopf, Hermann Kopf, Wilhelm Steen, H. Kreienberg, Christian Schult, Willi Helvst, Franz Labe |
![]() Ihm folgte 1913 der Gastwirt Ernst Arp als Erster Hauptmann. Er verstarb 1920.
Sein Nachfolger war Johann Segelke. Er führte die Feuerwehr bis 1937. In diesem Jahr übernahm Schmiedemeister Willi Karsten, der spätere Ihlienworther Bürgermeister, den Posten.
Seit 1999 hat dieses Amt Rolf Hagemann inne, der in einer überaschend verlaufenden Abstimmung, den damaligen Stellvertreter Gerd Wierk ausbotete.
Nachdem 1894 die seit 1846
bestehende Pflichtfeuerwehr durch Bildung
einer Freiwilligen Feuerwehr abgelöst worden war, muß es immer
wieder Bestrebungen gegeben haben, Pflichtfeuerwehren einzuführen.
Am 3. Januar 1897 erschien in der »Nordhannoverschen Landeszeitung«
eine kurze Notiz folgenden Inhalts: »Es soll eine Änderung des
Feuerlöschwesens herbeigeführt werden. Es sollen bestimmte
Mannschaften gegen Entschädigung angestellt werden. Es erscheint
auch unbillig, falls Männer, welche ihrem Beufe nachgehen,
plötzlich in ihrer Tätigkeit unterbrochen werden, ohne für die
Versäumnisse pekuniären Ersatz zu erhalten. Diesen Übelstand will
man nach Kräften beseitigen.« »Im Zusammenhang mit der Frage, ob Freiwillige Feuerwehr oder Pflichtfeuerwehr sei ein kurioser Vorfall aus dem Jahr 1926 erwähnt. Ein Mitglied der Feuerwehr beschwerte sich in einem anonymen Schreiben an den Landrat über die mangelnde Bereitschaft von Feuerwehrleuten zum Einsatz. Der Verfasser des Briefes schreibt unter anderem: »Am Sonnabend, dem 13. März, 12 Uhr nachts, wurde nach Bülkau ein Feuerschein bemerkt, der einen größeren Umfang annahm. Es wurde daraufhin Feuer gemeldet und gleich Feuersignal gegeben. Darauf traten nur 5 bis 6 Mann in Uniform an. Andere hielten es nicht für nötig, sich zu bequemen. Lieber blieb man beim Glase Bier und Schnaps. Zivilisten und sonstige Einwohner hatten die größte Klappe.« Der anonyme Schreiber kommt in dem nur auszugsweise übernommenen Brief zu diesem Ergebnis: »Es wäre jetzt wohl wünschenswert, daß statt der Freiwilligen eine Pflichtfeuerwehr eintreten müßte, damit dann der Feuerwehr einmal etwas mehr Hilfe gebracht würde.« Nach Aussage des aufgrund des Vorfalls befragten Hauptmanns Johann Segelke soll es sich um »ein Feuer weit über Bülkau hinaus« gehandelt haben, so daß ein Einsatz der Ihlienworther Wehr nicht notwendig gewesen sei. |